Aus der
Senferia - Schreibstube:
Senf - das geheime Heilmittel der Natur

Senf als Heilpflanze und Gewürz. Anwendungen von A–Z. Rezepte für eine
gesunde Küche
1. Auflage 2009, 176 Seiten, durchgehend farbig
ISBN: 978-3-7766-2623-0
erschienen Sept. 2009 im Herbig-Verlag
Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder direkt bei uns im
Onlineshop.
Kleines Korn mit großer Wirkung: vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten und schmackhafte Rezeptideen.
Ein traditionelles Heilmittel, das mehr leisten kann als viele Menschen
wissen, ist Senf. Er stärkt Magen und Leber, wirkt
schmerzlindernd
und durchblutungsfördernd. Bei gesundheitlichen Problemen wie
Verspannungen, Hexenschuss, Fieber, Bronchitis, Heuschnupfen,
Kreislaufschwäche und Verdauungsproblemen mildert Senf nicht
nur
die Beschwerden, sondern lässt sich sogar heilend einsetzen.
Der
informative Ratgeber verrät zudem, wie verschiedene Senfsorten
in
einer gesunden, unverfälschten Küche
köstliche und
raffinierte Geschmackserlebnisse bieten können.
Liebe, Mord und reichlich Senf
Mitte 2008 hatten wir die Idee, einen Kurzgechichtenwettbewerb
auszuloben.
Das Thema: Liebe, Mord und reichlich Senf.
Teilnahmebedingungen auskniffeln, Wettbewerb bekannt machen und
abwarten...
Anfang Dezember 2008 war Einsendeschluss.
Unser Briefträger war froh darüber, er hatte nämlich mehrere hundert
Einsendungen zuzustellen!
Und jetzt gings richtig los. Unsere international besetzte Fachjury (an
dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an alle!) las, bewertete,
diskutierte, grinste und fürchtete sich...
Das Ergebnis dieser Wonnen und Mühen können Sie in gedruckter Form
bewundern:
Liebe, Mord und reichlich Senf
Broschiert: 128 Seiten
erschienen Feb. 2009 im Sieben Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3940235784
ISBN-13: 978-3940235787
Sie bekommen das Buch direkt bei uns im
Onlineshop
oder in jeder guten Buchhandlung.
Senf ist eine faszinierende Pflanze, ein königliches Gewürz und
Grundlage für 22 außergewöhnliche Geschichten. Pfiffige Rezepte runden
den Genuss ab - zum Ersenfen köstlich!
Hier kommt ein Appetithäppchen:
Das Mostrichmonster
von Karin Lang
“Und wenn du die Umgebung erkundest, dann hüte dich vor der alten
Senffabrik. Da soll es das Mostrichmonster geben!”
Wir waren gerade erst in die Gegend gezogen. Darum hatte mein Vater
nichts dagegen, dass ich die letzten Ferientage dazu nutzte, mich
umzusehen.
Da mir ein Besuch der alten Fabrik quasi untersagt war - wenn auch auf
scherzhafte Weise - führte mein erster Weg natürlich genau dorthin.
Ich war zwölf Jahre alt und hatte keine Ahnung, wie man Senf machte.
Daher stellte ich mir große Bottiche vor, in denen ein riesiger Rührarm
eine schleimige, braungrüne Masse träge bewegte. Und wenn einer in so
einen Bottich fiel, dann erstickte er qualvoll - um als Mostrichmonster
wiederzukommen. Ich kicherte bei dem Gedanken daran, denn an Monster
glaubte ich schon lange nicht mehr.
Doch je weiter ich den mittlerweile von Unkraut überwucherten Weg in
Richtung Fabrik ging, um so unheimlicher wurde mir. Dass “alt”
gleichbedeutend mit “verlassen” war, damit hatte ich nicht gerechnet.
Und als ich endlich auf einer mit Brombeerbüschen bewachsenen Lichtung
stand, vor mir ein verfallenes Backsteingebäude mit Fenstern, die
entweder blind vor Schmutz, oder gar nicht mehr vorhanden waren, da
stellten sich mir die Haare auf den Unterarmen auf.
Doch der Anblick des Gebäudes war nichts im Vergleich zu dem Schrei!
Ich wollte weglaufen. Aber was, wenn es nun ein Tier war? Gefangen in
dieser unheimlichen Ruine?
Es musste einfach ein Tier gewesen sein. Weil ich noch nie einen
Menschen hatte so schreien hören.
Meine Augen suchten einen Weg durch den Brombeerwust. Da kamen drei
große Jungs um das Gebäude herum gelaufen. Ich duckte mich, sie sollten
mich nicht sehen.
Lachend und sich gegenseitig anrempelnd rannten sie an mir vorbei. Ich
konnte ihren Schweiß riechen, einer spuckte im hohen Bogen aus. Dann
verschwanden sie zwischen den Bäumen.
Ich war mir sicher, diese drei hatten soeben ein Tier gequält. Es wäre
nicht die erste Jungensbande gewesen, die bei ihren rohen Vergnügungen
weit über das Ziel hinausgeschossen war ...
Aber nun ich: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich, eine wahre
Heldin!
Allerdings eine mit weichen Knien und feuchten Händen. Denn was mich
wirklich erwartete, das wusste ich nicht. Und während ich langsam um
die Senffabrik herumschlich, war ich mir auch gar nicht mehr sicher, ob
ich nicht doch vielleicht jemanden zur Unterstützung holen sollte. Aber
nein, dann würde mein Vater womöglich erfahren, dass ich schnurstracks
zur Senffabrik gegangen war.
Die Eisentür war aus den Angeln gerissen und lag einen Meter vor der
Mauer im hüfthohen Gras. Das bisschen Licht, das in das Gebäude hinein
fiel, reichte nicht aus, um alles deutlich zu erkennen. Doch als sich
meine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten, erkannte ich einen langen
Korridor, von dem rechts drei Türen abgingen. Ich inspizierte den
ersten Raum - wahrscheinlich ein ehemaliges Büro.
Gerade als ich die zweite Tür öffnen wollte, polterte es im dritten
Raum.
An die Wand gedrückt versuchte ich, nicht zu schreien. Selbst dann
nicht, als mir eine Spinne über die Schulter krabbelte. Ich schrie
erst, als sich die dritte Tür öffnete und etwas herauskam, das weder
Mensch noch Tier war.
Das Mostrichmonster!
Ein Schwall süßsauren Gestanks wehte in meine Richtung, als es auf mich
zugewankt kam. Aus seinem Maul tropfte Blut auf seinen schleimigen,
grünlichen Körper, der über und über voll war mit kleinen, gelben
Pickeln. Die mich an Senfkörner erinnerten.
Senfkörner?
Mein Mund schrie noch, während mein Gehirn die Informationen noch
einmal neu sortierte. Als das Mostrichmonster mich erreicht hatte und
sich an mir festklammerte, da wusste ich, dass es ein Kind war. Genau
wie ich. Allerdings eines, dem übel mitgespielt worden war.
Die großen Jungs hatten ihr Opfer unter einem Vorwand in die alte
Senffabrik gelockt. Eine Prüfung, und schon dürfe er Mitglied in ihrer
Bande werden ... Arglos war das Kind in die Falle getappt. Erst hatten
sie es verprügelt, dann mit Senf, den sie extra mitgebracht hatten,
beschmiert. Sie fanden das besonders originell.
All das erfuhr ich, als ich meine klebrige, neue Bekanntschaft zu einem
Bach begleitete. Leidlich gesäubert kam ein hübscher Junge mit einer
gebrochenen Nase und einem ausgeschlagenen Zahn zum Vorschein.
Heute, fast zwanzig Jahre später, fragen die Kinder manchmal, warum ich
ihren Vater ab und zu Mostrichmonster nenne. Ich darf nichts sagen. Es
ist ihm immer noch zu peinlich, wie wir uns damals kennen gelernt haben.